Blickwechsel: Göttingen von oben

Geht es Euch auch so? Wenn ich in einer fremden Stadt bin, verschaffe ich mir gern erst einmal einen Überblick von ganz oben. Das macht auch in der eigenen Stadt Spaß: Die Blickrichtung wechseln, Altvertrautes und Neues entdecken – immer wieder faszinierend. Mit meinen Tipps für Aussichten aus der Vogelperspektive könnt Ihr das auch erleben.

Aussichtsgalerie auf dem Johanniskirchturm

Majestätisch: Türme der Johanniskirche. Foto: Christoph Mischke

Die unterschiedlichen Türme der gotischen Johanniskirche prägen das Göttinger Altstadt-Panorama. Der höhere ist der Nordturm, er kann jeden Samstag um 12 Uhr bei einer Turmführung bestiegen werden (Eintritt 2 €). Diesmal bin ich dabei, um mit einigen Gleichgesinnten die fast 240 Stufen zu erklimmen. Der Aufstieg beginnt mit einer engen, steinernen Wendeltreppe. Kurz bevor ich einen Drehwurm erleide, erreichen wir den ersten Treppenabsatz. Hier fällt der Blick zunächst auf einige verkohlte Holzbalken in einer Ecke. Die Turmführerin erklärt uns, dass dies die Reste der Kirchturmspitze sind. Sie erinnern an den verheerenden Brand, der Anfang 2005 den Kirchturm fast komplett zerstörte. Gleich daneben beschwört die Wandinschrift eines Scherzboldes „L‘ ESPIRIT D‘ ESCALIER‘“ – den Geist der Treppe. Grund genug für unsere Führerin einige Räucherkerzen anzuzünden, um ihn mit dem würzigen Duft gnädig zu stimmen – unser Aufstieg soll schließlich unfallfrei bleiben.

Erinnerung an eine Katastrophe: Verbrannte Turmspitze der Johanniskirche. Foto: Michaela

Verewigt: Inschrift im Treppenhaus des Johanniskirchturms. Foto: Michaela

Bequem begehbar: Treppe im Johanniskirchturm. Foto: Michaela

Weiter geht es über gut begehbare Holzstiegen nach oben. Wir passieren die Glockenstube mit der größten Kirchenglocke Göttingens und erreichen ein wenig außer Atem die Turmkapelle. Sie wurde nach dem Wiederaufbau des Kirchturms Ende 2005 eingerichtet. Diese Turmstube kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Wir hören, dass hier fast 530 Jahre lang die städtischen Turmwächter über Göttingen wachten. Als 1921 der letzte Türmer auszog, entstand auf dem Kirchturm die höchste Studentenbude Deutschlands. Bis 2001 wurden die Zimmer mit Unterbrechungen von Studenten bewohnt. Sie mussten keine Miete zahlen, waren dafür aber verpflichtet, die Turmstube regelmäßig für Besucher zu öffnen. Hier könnt Ihr mehr über die Geschichte der Johanniskirchtürme erfahren.

Gute Aussichten: Von Johannis zu Jacobi. Foto: Christoph Mischke

Von der Turmkapelle geht es schließlich hinaus auf die Aussichtsgalerie. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg wird man hier mit einem herrlichen 360°-Ausblick über die ganze Stadt belohnt. Mich überrascht immer wieder, wie viele versteckte grüne Oasen die Göttinger Altstadt inmitten des Häusermeers zu bieten hat. Nach einem ausgiebigen Rundblick geht es schließlich wieder hinunter auf den Johanniskirchhof. Und tatsächlich: Das Räucheropfer hat auch diesmal geholfen, alle haben den Turmauf- und –abstieg ohne Stolpern bewältigt.

Blick ins Leinetal vom Bismarckturm

Blick von unten: Bismarckturm im Göttinger Stadtwald. Foto: Michaela

Über Göttingen lugt im Osten weithin sichtbar der Bismarckturm aus dem Stadtwald. Vom höchsten Punkt des Stadtgebiets (323 m über NN) bietet sich vom Hainberg ein grandioser Blick über das Leinetal und die Göttinger Stadtteile, an klaren Tagen sogar bis in den Harz und das nordhessische Bergland. Ich mache mich an einem Sonntagvormittag auf den Weg. Vom Parkplatz am Ende der Bismarckstraße folge ich zu Fuß dem Schild Richtung Bismarckturm. Vorbei am Hainberg-Observatorium erreiche ich den Turm nach knapp 10 Minuten.

Da geht es lang: Wegweiser zum Bismarckturm. Foto: Michaela

Nachdem ich meine Eintrittskarte gekauft habe, beginnt der Aufstieg. Die Wendeltreppe, am Schluss zähle ich 171 Stufen, führt zunächst bis zum Bismarck-Gedächtniszimmer im 1. Stock mit einer Bronzebüste des Namensgebers des Turms – Reichskanzler Otto von Bismarck. Weiter geht es auf die erste Aussichtsplattform. Von hier ist die Innenstadt aufgrund der hohen Bäume nicht sichtbar, nach Süden eröffnet sich aber schon ein vielversprechender Weitblick. Also steige ich hinauf bis zur oberen Turmplattform. Hier empfangen mich ein kräftiger Wind sowie ein atemberaubender Ausblick über die ganze Stadt und das Leinetal. Infotafeln erläutern, worauf der Blick in jeder Himmelsrichtung fällt.

Erläuterung: Infotafel auf dem Bismarckturm. Foto: Michaela

Aufstieg auf den Jacobikirchturm

Beherrschend: Turm der Jacobikirche an der Weender Straße. Foto: Michaela

Auch Göttingens höchster Kirchturm (72 m), der Turm der Jacobikirche an der Weender Straße, kann während der Öffnungszeiten der Kirche, in der Regel täglich von 11 – 15 Uhr, bestiegen werden. Zunächst meldet man sich bei der Kirchenaufsicht an und entrichtet den Eintritt (2 €/ Kinder 1 €). Rucksäcke und Taschen sollten abgegeben werden, denn beim Aufstieg muss man beide Hände zum Festhalten freihaben, so lautet die Einweisung, bevor man auf den Turm gehen darf.

Ab jetzt aufwärts: Wegweister zum Jacobikirchturm. Foto: Michaela

Steil nach oben: Stiege im Turm der Jacobikirche. Foto: Michaela

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass dies nichts für schwache Nerven ist, man muss trittsicher und schwindelfrei sein. Aber wenn man sich Zeit lässt und stets nur nach oben schaut, klappt es ganz gut – zumindest bei mir. Hinauf geht es zunächst über eine steinerne Wendeltreppe bis auf die Höhe des Dachstuhls. Danach führen mehrere schmale, steile Holzstiegen hinauf in die Turmstube. Vorbei geht es an der Turmuhr, dem Glockenspiel und den Glocken.

Weit nach Süden: Blick aus der Turmstube der Jacobikirche. Foto: Michaela

In der Turmstube erlauben vier Fensterluken den Blick in alle vier Himmelsrichtungen. Außerdem erläutern einige Infotafeln die Baugeschichte des Turms.

Geheimtipp: Aussichtspunkt Rathauskantine

Am Hiroshimaplatz: Das Neue Rathaus. Foto: Michaela

Am Morgen: Blick aus der Kantine des Neuen Rathauses. Foto: Michaela

Der Johanniskirchturm und der Bismarckturm sind nur am Wochenende geöffnet, der Aufstieg auf den Jacobikirchturm ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Deshalb gibt es von mir noch einen Geheimtipp für einen Super-Ausblick auf Göttingen: Die Kantine im 16. Stock des Neuen Rathauses (Hiroshimaplatz 1-4).

Zu den Öffnungszeiten der Kantine (Mo-Do 7.30-14 Uhr, Fr 7.30-13.30 Uhr) kann man mit dem Aufzug ganz bequem nach oben fahren und von der großen Fensterfront den Blick über die Altstadt schweifen lassen. Übrigens: hier sind nicht nur die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, sondern auch Gäste zum Essen willkommen.

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Bismarckturm Info und Anfahrt:

Geöffnet: April – September, Samstag, Sonntag und feiertags 11.30 – 18 Uhr. Eintritt 2 € / 1 € für Kinder

Mit dem Auto: an den Schillerwiesen vorbei über die Bismarckstraße bis zum Parkplatz am Kehr.

Mit dem Stadtbus: Linien 11, 21, 71 und 72 bis „Grete-Henry-Straße“, über die Straße „Vor dem Walde“ rund 20 Minuten Fußweg.

Außerdem am Kehr: Biergarten und Wildgehege mit Wildschweinen und Damwild, Startpunkt zahlreicher Wanderwege

Weiterführende Informationen zum Bismarckturm:

www.goettingen.de

www.bismarcktuerme.de