Ghostmobil – Geisterjagd durch Göttingen

Escape-Rooms stehen bei Rätselfreunden seit einigen Jahren ganz hoch im Kurs. Dabei bildet Göttingen keine Ausnahme. Die derzeit vier Spiele, ein fünftes ist in Vorbereitung, die das Team von Breakout Göttingen in der Güterbahnhofstraße 14 ausgearbeitet hat, sind stets gut gebucht. Ich interessiere mich allerdings für ein absolutes Novum, das die Breakout-Kreativköpfe seit einiger Zeit in der Stadt anbieten: die Ghostmobil-Tour. Verena Wiechens, Mitinhaberin von Breakout, lässt mich eine Tour begleiten, die bisherige und angehende Mitarbeiterinnen mit dem Ghostmobil unternehmen. Sie alle haben, genau wie ich, diese Geisterjagd durch Göttingen noch nie gemacht. Wäre sonst ja auch reichlich unspannend. Eines gleich vorweg: Sollte ich mich an der einen oder anderen Stelle im Blog ungewohnt unpräzise ausdrücken, ist das natürlich nicht meiner mangelnden Aufmerksamkeit zuzuschreiben. Ich möchte euch nur nicht zu viel verraten, denn mich hat schon der maskierte Magier im Fernsehen massiv aufgeregt, der schamlos die Tricks seiner Illusionisten-Kollegen verraten hat.

Gesichert: Fächer, Klappen und Schubladen

Hinter den Schlössern verbirgt sich der Rätsel Lösung. Foto: Christoph Mischke

An einem schwül-heißen Dienstag, vor einer halben Stunde ist ein heftiger Gewitterschauer niedergegangen und der Asphalt dampft immer noch, treffe ich mich mit Natalia, Merit und Eva, die ihren Freund Richard mitgebracht hat, im Breakout. Lisann, zukünftige Mitarbeiterin im Escape-Room, wird später zu uns stoßen. Mitinhaberin Tabea König erklärt uns ausführlich die Spielregeln und vor allem unser Gefährt, das Ghostmobil. Irgendwie ist es ja nur ein großer Bollerwagen, aber einer, der es in sich hat. Neben einem praktischen großen Fach für persönliche Gegenstände, wie Rucksäcke, Taschen, Schirme und Getränke, besitzt der Wagen zahlreiche Fächer, Klappen und Schubladen, die mit den unterschiedlichsten Schlössern gesichert sind. Manche funktionieren mechanisch, mit Zahlen- oder Buchstabenkombinationen, eines gar elektronisch. Wir bekommen einen stilisierten Stadtplan, der unsere Tour und die anzulaufenden Punkte beschreibt, ein Klemmbrett, ein Federmäppchen und das „Große Geisterbuch der Geister“ mit. Eine Boombox ist auch auf dem Wagen befestigt, die wir auf Tour aber irgendwie gar nicht nutzen.

Azubis des Geisterjägers

Professor Eichs Azubis (v. l.): Eva, Richard, Natalia und Merit. Foto: Christoph Mischke

„Alle Rätsel bauen aufeinander auf“, erklärt Tabea die Chronologie und beraubt uns gleich jeglicher Illusion, dass uns vielleicht Suchmaschinen oder sonstige Wissensportale bei der Lösung helfen könnten. Das funktioniert hier nicht, alle Rätsel können nur vor Ort mit Grips, Querdenken, Phantasie und manchmal auch Körpereinsatz gelöst werden. Wir sind schwer gespannt und unglaublich neugierig. Vom ebenfalls im Wagen integrierten pfiffigen, dreistufigen Hilfesystem und der Notfall-Visitenkarte, für den für uns völlig absurden Fall, dass wir gar nicht weiterkommen, wollen wir in diesem Moment nichts wissen.

Detailliert und liebevoll ausgestattet

Eine fröhliche Truppe: Jeder darf das Mobil einmal ziehen. Foto: Christoph Mischke

Ebenso detailliert und liebevoll, wie der Wagen ausgestattet ist, haben die Macher auch die Geschichten um die Geisterjagd in Göttingen erdacht. Nur so viel: Der weltberühmte Geisterjäger Prof. Dr. Eich muss eiligst nach New York, um einen dort plötzlich aufgetauchten biestigen Dämon zu bekämpfen. Uns, seine Azubis, lässt er hingegen mit „etwas veraltetem Equipment“ in Göttingen zurück. Aber: Bangemachen gilt nicht. Zuversichtlich und fröhlich zieht unsere Gruppe mit dem Stadtplan und dem Einstiegsrätsel von Tabea in den Händen los. Wir wollen unbedingt den Himmels-, Klage-, Poltergeistern und sonstigen Erscheinungen und Parasiten in der Uni-Stadt den Garaus machen.

Feysiriel bringt die Raumkrümmung durcheinander

Damit nun unser erster Gegner, der eigentlich friedliche Elf Feysiriel, nicht die Raumkrümmung durcheinanderbringt und die Welt aus den Fugen geraten lässt, müssen wir das Mobil zur Geisterjagd neu justieren, quasi eichen. Das haben wir Aushilfs-Geisterjäger natürlich nicht bedacht. Bei dieser ersten Aufgabe bekommen wir einen schon kleinen Eindruck, wie die Spielgestalter ticken, die die Ghostmobil-Tour konzipiert haben. Wir benötigen gute Augen, ein paar Hilfsmittel und… zack, nach sieben Minuten ist das Rätsel gelöst. Weiter geht’s. Richard, Eva, Merit und Natalia ziehen abwechselnd den Wagen, der sich überraschend leicht steuern lässt. Die Tour ist für die Vier augenscheinlich auch eine gute Gelegenheit sich untereinander kennenzulernen.

Atemberaubendes Tempo

Zack, das erste Schloss ist offen – Rätsel gelöst. Foto: Christoph Mischke

Natürlich benutzen wir beim Überqueren von Straßen nur die abgesenkten Bordsteine, worum uns Tabea beim Briefing ausdrücklich gebeten hatte. Aufpassen müssen wir, dass wir mit dem ausladenden Ghostmobil nicht den Fahrradweg blockieren, denn die Göttinger Radler sind da ziemlich unnachgiebig. Wir ziehen den Wagen den Kreuzbergring hoch, das heißt, die anderen ziehen, denn ich bin mit meinem Fotoequipment, dass ich bei gefühlt 40 subtropischen Graden schleppe, ja gestraft genug. Zu keinem Zeitpunkt hat sich allerdings irgendjemand beklagt, im Gegenteil, die Truppe legt ein atemberaubendes Fußtempo vor. Ich notiere rasch ein paar Stichworte und schwupps, sind sie schon am nächsten Zielort angelangt. Jedenfalls fast, und so kann ich mich mit ein wenig Ortskenntnis einbringen und das menschliche Navi spielen.

Doppelbödiges Prinzip

Wer suchet, der findet (vielleicht)… Foto: Christoph Mischke

Die Köpfe rauchen: Geisterjagd im alten Uni-Bereich. Foto: Christoph Mischke

Im alten Universitätsbereich gilt es das nächste Rätsel zu lösen. Auch hier wieder so ein doppelbödiges Prinzip. Du benötigst zum Lösen ein Hilfsmittel, das du aber erst bekommst wenn du zuvor, Überraschung, eine weitere Aufgabe erfüllt hast. Es gibt also nicht nur die Kniffeleien an den jeweiligen auf dem Plan genannten Standorten, sondern verklausulierte Hinweise auch dazwischen. Nachdem wir den Orb lokalisiert und unschädlich gemacht haben, müssen wir am nächsten Zielpunkt, dem Deutschen Theater, ein Dimensionstor verschließen. Haben wir ja schließlich beim Professor gelernt. Ich möchte das hier nicht weiter beschreiben, denn ihr müsst das unbedingt selbst einmal machen. Mein Tipp an dieser Stelle, und er gilt für alle Aufgaben: Lest genau, sehr genau, was tatsächlich gefragt ist.

Ein wenig meschugge

Über die Wiese: Das Ghostmobil ist bedingt offroad-tauglich. Foto: Christoph Mischke

Für Außenstehende wirken die Aktionen mitunter etwas sonderbar. Foto: Christoph Mischke

Es könnte allerdings vorkommen, dass Außenstehende euch bei der Lösung der Rätsel wahrnehmen und für ein wenig meschugge halten, aber das macht den Spaß ja erst aus. Seid euch auch im Klaren darüber, das ihr mit dem riesigen, mit Geisterjäger-Logos versehenen Karren auffallt, als ob euch der Kopf brennt. Uns jedenfalls haben die mindestens erstaunten Blicke der Passanten nicht irritiert. Im Gegenteil, der gut gelaunte Richard hat sich manches Späßchen erlaubt. Im Cheltenham-Park verwirrt er Eltern und Kinder auf einem Spielplatz. Während wir mit dem Wagen vorbeirollen ruft er laut: „Eis, Eis, Eis“ und wir machen, dass wir weiterkommen, bevor der Nachwuchs das tatsächlich einfordert.

Suchen und kombinieren

Spaß statt Grusel: Geistersuche auf dem historischen Friedhof. Foto: Christoph Mischke

Kniffelig: Um-die-Ecke-Denken ist auf der Tour häufig gefragt. Foto: Christoph Mischke

Die nächste Aufgabe bedeutet vor allem suchen und kombinieren. Klappt nicht so bei uns und artet in ein wenig Lauferei aus. Auch Lisann, die uns inzwischen mit ihrem Fahrrad erreicht hat, kommt nicht auf die zündende Idee. Schließlich schafft es das Ghostbusters-Team mit ein wenig Um-die-Ecke-Denken das Zahlenschloss mit der richtigen Kombination zu öffnen. Natalia kommentiert die Lösung lachend mit: „weird“, ohne zu ahnen, dass die folgende Aufgabe vor Ort, noch zumal auf einem historischen Friedhof, tatsächlich etwas verrückt aussieht. Unter Feixen und Gnickern ist aber auch dieses Rätsel relativ schnell Geschichte. Ich bin nicht undankbar, dass es hier insgesamt ein wenig länger gedauert hat. Gibt es mir doch Gelegenheit für Notizen und Fotos, und außerdem ist die Temperatur unter den dicht belaubten Bäumen etwas erträglicher.

Finesse und Herzblut

Auffällig: Das Ghostmobil bleibt im Stadtbild nicht unerkannt. Foto: Christoph Mischke

Wo geht’s weiter? Die Geisterjäger versuchen sich zu orientieren. Foto: Christoph Mischke

Unermüdlich setzen wir unseren Weg um die Altstadt fort, um Professor Eich bei seiner Rückkehr ja keine Schande zu bereiten. Ich habe natürlich keine Vergleichswerte, aber ich möchte behaupten, das Team, dessen Begleiter und teilweise sogar Mitstreiter ich sein darf, ist gut, sehr gut sogar. Ich bin immer wieder fasziniert, mit wieviel Finesse und Herzblut die Macher dieser Geisterjagd zu Gange waren. Sowohl die Aufgaben, als auch das Ghostmobil selbst, bergen jede Menge Überraschungen und Abwechslung. Und wenn sich dann Professor Eich auch noch höchstpersönlich aus New York zu Wort meldet, um Ratschläge zu geben, kennt das Staunen keine Grenzen mehr. Es macht einfach großen Spaß, da sind sich alle einig, diesem Ideenreichtum zu folgen und ihm natürlich auch das ein oder andere Mal auf den Leim zu gehen.

Überraschungsaufgabe zum Schluss

Ratlos: Was sollen uns diese bunten Behälter sagen? Foto: Christoph Mischke

Geheimnisvoll: Ist das der Schlüssel zur Lösung? Foto: Christoph Mischke

Nach knapp drei Stunden und ungefähr dreieinhalb Kilometern Wegstrecke in brütender Schwüle erreichen wir wieder die Güterbahnhofstraße. Das ist eine gute Zeit, wie uns Tabea bestätigt. Ok, wir hätten noch zehn Minuten eher zurück sein können, wenn ich nicht unterwegs einen prächtigen Baumpilz von allen Seiten fotografiert und die extrem freundliche Gruppe währenddessen auf mich gewartet hätte. Nun sind alle Rätsel gelöst, alle Schlösser geöffnet und doch sind wir noch nicht fertig, denn die Macher haben sich noch eine nette Überraschungsaufgabe vor Ort ausgedacht. Die müsst ihr allerdings, genau wie die ganze Tour, selbst erleben. Rückblickend bin ich froh, dass ich mich bei einigen Aufgaben im Hintergrund gehalten habe, denn ich möchte die Tour unbedingt noch einmal selbst mit Freunden unternehmen – ohne Block und ohne Kamera.

Über Kommentare zu unseren Blog-Beiträgen freuen wir uns jederzeit. Schickt uns dazu gerne eine Nachricht auf unserer Mein Göttingen Facebook-Seite.