Spaß, lernen, gewinnen: Physik im Advent

Sicherlich freut ihr euch alle schon auf den kommenden Sonntag, denn ab dem 1. Dezember dürft ihr ja endlich nach und nach eure Adventskalender plündern. Einen Kalender der ganz besonderen Art findet ihr allerdings im Netz. Bereits zum siebten Mal bietet euch „Physik im Advent“ (PiA) wieder 24 unterhaltsame Physik-Experimente zum Nachmachen an. Dank der Kooperation mit zahlreichen nationalen und internationalen physikalischen Gesellschaften und MINT-Initiativen gibt es wieder viele phantastische Preise zu gewinnen. Ich habe mich mit Prof. Arnulf Quadt unterhalten. Er ist Experimentalphysiker an der Uni Göttingen und Initiator dieser ebenso spannenden, lehrreichen und beliebten Aktion.

Vater und Tochter im Wettbewerb

Los geht’s: „Physik im Advent“ startet am 1. Dezember. Foto: Uni Göttingen/A.Durand Mitre

Mich interessiert brennend, wie „Physik im Advent“ eigentlich entstanden ist. Begonnen hat alles im Jahr 2012. Quadts Tochter Lisa hatte zum wiederholten Mal an „Mathematik im Advent“ teilgenommen. Jeden Tag musste sie dafür eine Textaufgabe lösen, also ein eher analoger Ansatz. Der Satz: „Papa, Du bist doch Professor, kannst Du das auch“, fiel dabei mehr als einmal. „Da dachte ich, ich habe Feierabend, aber nichts da“, sagt Quadt lachend, „meine Tochter suchte augenscheinlich die Bestätigung ihres Wissens und den Wettbewerb mit ihrem Vater“. Der wiederum präsentiert schon seit 2009 mit seinen Studierenden die Shows „Zauberhafte Physik“ – zu unterschiedlichen Anlässen wie der Nacht des Wissens, dem Mitarbeiterfest der Universität oder zum Tag der Niedersachsen. Sogar zur Europäischen Tagung der Physikshows, die 2013 in Göttingen zu Gast war.

Nebelkammer und Leuchtgurke

Wissen mit Spaß: Prof. Arnulf Quadt während einer Uni-Veranstaltung. Foto: Christoph Mischke

Auch im Hörsaal erfreuen sich die Shows so großer Beliebtheit, dass ein Sicherheitsdienst darüber wachen muss, dass das maximale Fassungsvermögen nicht überschritten wird. „Mit Licht, Musik und zahlreichen Effekten präsentierten wir damals schon Alltagsphänomene, die wir auch als Video aufzeichneten, und die heute noch mit teils immensen Klickzahlen auf Youtube zu sehen sind.“ Er zeigt mir die Mehlstaub-Explosion, mit über 111.000 Aufrufen eines der meistgesehenen Videos. Anschaulich wird hier demonstriert, was ich auch noch aus meiner Schulzeit in Erinnerung habe. Im Prinzip ist jeder Stoff brennbar, wenn man ihn nur fein genug pulverisiert und genügend Sauerstoff hinzufügt. Das explodierende Fass, die Nebelkammer oder auch die Leuchtgurke habe ich mir später noch angeschaut, echt spannend. „Physik begegnet uns täglich“, vermittelt Quadt, „aber die Menschen interessieren sich halt für die Phänomene, nicht für die Formeln dahinter. Sie lieben die Beschleunigung auf dem Motorrad, die Fliehkräfte auf dem Kettenkarussell oder das Abkühlen im Schwimmbad – alles Physik“.

Selbermachen statt Zugucken

Mitmachen: Auch in diesem Jahr gibt es wieder 24 Experimente. Foto: Uni Göttingen/L.Korrossy

„Ich habe für „Physik im Advent“ im Prinzip nur die analoge und die digitale Welt miteinander verbunden und das Video als Medium hinzugenommen“, berichtet Quadt bescheiden. „So sind die Experimente für alle Beteiligten besser nachvollziehbar und vor allem im eigenen Versuch erlebbar“. Die jungen Menschen brauchen nach Quadts Worten mehr Praxis und weniger Theorie, denn durch das eigene Erleben lernen sie einfach besser: „Was man selber macht, vergisst man nie.“ Er zitiert die ehemalige Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel, die in Bezug auf das entstehende Forum Wissen sinngemäß gesagt hat: Wir müssen die digitale Welt ausschöpfen, dürfen dabei aber das Haptische nicht vergessen. „Die Kids sollen im Wortsinn ein Fingerspitzengefühl für physikalische Vorgänge bekommen“ sagt der Physiker, „denn nicht umsonst ist begreifen in der deutschen Sprache ein Synonym für verstehen.“

Großer Erfolg, internationales Teilnehmerfeld

Prominenter Schirmherr: Nobelpreisträger Prof. Erwin Neher. Foto: Christoph Mischke

Der große Erfolg gibt dem Initiator der Aktion auf der ganzen Linie Recht. Nach rund 14.000 Teilnehmern im Debütjahr 2013 konnte das Team im vergangenen Jahr schon rund 40.000 Mitmacher zählen. Auch für dieses Jahr sind die Zahlen auf einem Rekordhoch. „Bisher haben sich über 9100 Einzelpersonen, 2900 Schulklassen und über 700 Schulen registriert, Tendenz steigend“, berichtet Quadt. „Bei uns im Hause laufen bereits Wetten, dass wir in diesem Jahr die 50.000-Marke knacken.“ Das Teilnehmerfeld beschränkt sich nicht nur auf Deutschland sondern ist international. Daher gibt es die Webseite auch in englischer Sprache. „Wir haben Teilnehmer aus Österreich, aus der Schweiz, aus Rumänien, England, Portugal, Tschechien, aus den USA , Indien und vielen anderen Ländern“, berichtet er sichtlich stolz. Die Schirmherrschaft über diese wunderbare Veranstaltung hat übrigens Prof. Erwin Neher übernommen. Dem Biophysiker wurde, gemeinsam mit dem Mediziner Bert Sakmann, 1991 der „Nobelpreis für Physiologie oder Medizin“ verliehen.

Punkte für registrierte User

Teamwork: Arnulf Quadt und Fabian Sohns, Mitarbeiter am Helpdesk. Foto: Christoph Mischke

Soviel zur Vorgeschichte, doch wie funktioniert denn „Physik im Advent“ nun? Der Weihnachtsmann oder die Weihnachtsfrau stellen vom 1. bis zum 24. Dezember auf der PiA-Webseite jeden Tag kleine physikalische Experimente im Videoclip vor, die sich mit haushaltsüblichen Materialien durchführen lassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen die Experimente nach und beantworten auf der Seite jeweils eine Frage dazu. Am folgenden Tag gibt es das Lösungsvideo zu sehen und bei richtiger Antwort einen Punkt, allerdings nur für registrierte User. Zu Weihnachten erhalten alle Teilnehmenden individuelle Urkunden.

Hochwertige Preise zu gewinnen

Mitmachen lohnt sich doppelt: Kleine Experimente, wertvolle Preise. Foto: Uni Göttingen/L.Korrossy

Unter den Besten werden Preise in den Kategorien Einzelperson, Schulklasse oder Schule verlost, die zahlreiche namhafte Sponsoren als Geld- oder Sachspende zur Verfügung gestellt haben. Neben iPods, Büchern, hochwertigen Taschenrechnern und Experimentierkästen gibt es sogar einen 3D-Drucker, eine Video-Drohne und eine Ballonfahrt zu gewinnen. Der Hauptpreis ist eine Reise nach Dallas zu NBA-Basketballspielen mit den Dallas Mavericks. Ja, genau dem Verein, in dem vor kurzem noch Dirk Nowitzki spielte und ein Treffen mit ihm ist nicht ausgeschlossen. Mitmachen kann jeder, der sich auf „Physik im Advent“ registriert. Die Anmeldung ist kostenlos und hat bereits am 1. November begonnen, aber noch ist ja etwas Zeit. Apropos Dirk Nowitzki: Wusstet ihr, dass der beste nicht-amerikanische Basketballspieler aller Zeiten seinen riesigen Erfolg der Physik verdankt?

Physik: „Perfekter Wurf“ für Nowitzki

Mit Physik zum „German Wunderkind“: NBA-Star Dirk Nowitzki. Foto: Bauerfeind

Holger Geschwindner, ehemaliger deutscher Basketball-Nationalspieler, der auch einige Jahre lang in Göttingen spielte und hier mit dem SSC und später ASC 46 mehrfach Deutscher Meister wurde, hat Nowitzki seit 1995 trainiert. Als Mentor bot Geschwindner seinem Schützling ein Gesamt-Trainingspaket an, das neben unkonventionellen Mitteln wie Musik, Tanz, Fechten und Fußball auch die Bewegungsabläufe beim Wurf umfasste. Als studierter Mathematiker und Physiker übertrug Geschwindner seine Kenntnisse aus der Wissenschaft auf den Sport und berechnete Parameter für den perfekten Wurf. „Der Ball muss mindestens einen Einfallswinkel von 32 Grad haben“, sagte er einmal im Interview“, „Dirk ist 2,13 Meter groß, seine Arme haben eine bestimmte Länge, und wenn man dann noch die Gesetze der Physik kennt, kommt man schnell zu einer Problemlösung.“ Auf diese Weise errechnete er auch den „perfekten Wurf“ beim Abstand eines Freiwurfs und einer Abwurfhöhe von zwei Metern: Abwurfwinkel: 56 Grad, Wurfgeschwindigkeit 26 Stundenkilometer, der Eintreffwinkel beträgt dann 45 Grad. Da schließt sich der Kreis, denke ich und Arnulf Quadt macht eine beschwörende Armbewegung und sagt, was er so häufig sagt: “Magic“.

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