Mit dem Camper in Göttingen: Reisemobilhafen Eiswiese

Die Camping- und Caravanszene boomt und liegt heute wieder voll im Trend. Galt es vor einigen Jahren noch als spießig, mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein, als es hieß: „Das machen doch nur Rentner“, hat sich dieses Image im vergangenen Jahrzehnt deutlich gewandelt. Jahr für Jahr verzeichnet die Reisemobil-Industrie Rekordumsätze und auch immer mehr junge Familien mit Kindern prägen das Bild. Wohnmobilhäfen oder Wohnmobilstellplätze sind ideal für eine Zwischenübernachtung oder einen kurzen Aufenthalt, um die Städte oder die Regionen zu erkunden, und bieten dabei eine echte Alternative zu Campingplätzen. Zudem sind Stellplätze nur für Wohnmobile gedacht, Autos mit Caravan-Anhängern oder Zelte sind nicht erlaubt. In Göttingen gibt es seit 2005 den Reisemobilhafen Eiswiese. Als langjährige Camperin und Wohnmobil-Liebhaberin hat mich die Neugier geweckt und ich habe mir den Reisemobilhafen in meiner Heimat Göttingen einmal näher angeschaut.

Idyllisch und im Grünen

Ruhig und schön grün – ein Plätzchen auf dem Göttinger Reisemobilhafen Eiswiese. Foto: Sarah

Es ist ein sonniger Montagvormittag Mitte August. Die Temperaturen sind angenehm und die Sonne steht strahlend am Himmel. Ideales Wetter zum Campen und Urlaub machen. Wer zu Fuß gehen möchte, für den ist die Laufzeit zwischen Innenstadt und Eiswiese mit ungefähr 15 Minuten gut zu meistern. Der Platz liegt sehr ruhig und idyllisch im Grünen in direkter Nähe zum Fluss Leine, aber eben auch zentral. Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel und ein Bäcker sind in wenigen Minuten erreichbar. Eine Apotheke, eine Bank sowie eine Sparkasse sind ebenfalls nicht weit entfernt. Gleich nebenan befindet sich das Göttinger Naherholungsgebiet Kiessee mit Bootsverleih und Restaurant sowie ein 2,5 Kilometer langer Uferweg, der zu herrlichen Spaziergängen oder zum Joggen und Angeln einlädt. Angrenzende Wiesen sind beliebte Picknickplätze und am Ostufer befindet sich ein Kinderspielplatz.

Baden und Duschen vor Ort

Für Wasserratten und Erholungssuchende – das Badeparadies Eiswiese. Foto: Sarah

Weiterer Pluspunkt ist das direkt angrenzende Badeparadies Eiswiese mit großer Saunalandschaft und Solebecken mit Salz aus der Göttinger Saline Luisenhall. Wie ich erfahre, dürfen die Besucher des Wohnmobilhafens gegen eine geringe Gebühr dort die Duschen benutzen. Wer dem Badeparadies noch einen Besuch abstatten möchte, erhält 50 Cent Ermäßigung als Gast des Wohnmobilhafens. Am Bad befindet sich außerdem das griechische Restaurant „Poseidon“. Informationsmaterialien wie Stadtpläne, Veranstaltungskalender oder Ähnliches gibt es für die Reisemobilisten an der Kasse des Badeparadieses zum Mitnehmen oder an der Infotafel direkt auf dem Stellplatz. Zusätzlich zum Hallenbad gibt es noch das Freibad im Brauweg, das von Mai bis September geöffnet hat, sowie den Sportpark und das Jahnstadion in unmittelbarer Nähe.

Sonne, Schatten und Service

Reisemobilhafen mit Auszeichnung und guter Versorgung. Foto: Sarah

Gegen den Durst: Frisches Trinkwasser steht auch zur Verfügung. Foto: Sarah

Direkt am Eingang fällt mir auf, dass der Platz eine sehr gute Ausstattung hat, was auf Stellplätzen, die üblicherweise nur für wenige Nächte als Übernachtungsmöglichkeit angeboten werden, nicht unbedingt üblich ist. Rechts hinter der Einfahrt befinden sich umweltgerechte Ver- und Entsorgungseinrichtungen für frisches Wasser, Schmutz- und Abwasser, eine Möglichkeit zur Entsorgung der Chemie-Toilette und eine Müllentsorgungsstation. Strom ist ebenfalls verfügbar. Den Besuchern des Wohnmobilhafens steht zudem eine eigene WC-Anlage zur Verfügung. Öffentliche Toiletten sind zudem auch noch im Foyer des Badeparadieses, die den Besuchern zur Nutzung freistehen. Des Weiteren ist der Platz allseitig umzäunt und beleuchtet. Durch den umfangreichen Baumbestand stehen sowohl sonnige als auch schattige Plätze zur Auswahl. Ein Schild weist auf die erneute Nennung zum „Top-Platz 2019“ hin und bietet die Möglichkeit einen Werkstatt-Service für Wohnmobile bei Bedarf zu kontaktieren und aufzusuchen. Gut versorgt ist man hier in jedem Fall.

Durchmogeln gilt nicht

Orientierung: ein großer Stadtplan im Eingangsbereich. Foto: Sarah

Der Kassenautomat befindet sich an der Einfahrt und ich sehe, dass der Preis für 24 Stunden 9€ beträgt. Mit der Top-Ausstattung und der tollen Lage ein, wie ich finde, mehr als angemessener Preis. Maximal 3 Nächte dürfen auf dem Platz verbracht werden, mit ausdrücklicher Genehmigung der GoeSF auch mehr. Das gleiche gilt für Gruppen. Damit aber wirklich sichergestellt ist, dass jeder auch ein Ticket zieht, wird am Wochenende morgens früh um 6 Uhr kontrolliert. Durchmogeln und kostenlos parken ist also nur schwer möglich. Ein Camper erzählt mir, dass viele erst spät anreisen und sehr früh morgens wieder fahren, um zu versuchen, die Parkgebühren zu umgehen. Was sehr schade ist, verpasst man doch bei einem so kurzen Aufenthalt die ganzen schönen Göttinger Sehenswürdigkeiten.

Nette Camper und Wohlfühlatmosphäre

Unabhängigkeit: Gunhild Donné und Willi Hölzer vor ihrem großen Reisemobil. Foto: Sarah

Bei meinem Besuch im Wohnmobilhafen treffe ich auf das nette Paar Gunhild Donné und Willi Hölzer. Sie sind gerade erst angekommen und suchen sich ein nettes Plätzchen. Es ist ja vormittags und noch der ein oder andere Platz frei. Gunhild Donné ist seit acht Jahren mit dem Wohnmobil unterwegs, ihr Lebensgefährte bereits seit 1991. Beide schätzen die Unabhängigkeit und die Freiheit, die mit dem Wohnmobil einhergeht. Angefangen haben sie mit einem kleinen Freizeitmobil, sind seit 2000 aber dann auf ein größeres Mobil umgestiegen. Das Paar kommt aus Wernigerode und ist insgesamt fünf Wochen unterwegs. Den Göttinger Wohnmobilhafen haben sie ausgewählt, weil Hölzer Göttingen schon von einem früheren Ausflug kennt und es hier perfekt als Zwischenstopp passt. Nach dem Halt in Göttingen wollen sie weiter in Richtung Kassel, nach Wolfhagen und anschließend wieder nach Hause. Göttingen lag nun direkt auf der Strecke, der Wohnmobilhafen klang gut und hat die beiden sehr angesprochen.

Gemütliche, entspannte Atmosphäre

Laden zum Picknick im Grünen ein – Bänke und Tische. Foto: Sarah

In der Mitte des Platzes sitzt eine Dame im Campingstuhl vor ihrem Wohnmobil und genießt die Sonne. Wir kommen sofort ins Gespräch. Ich darf auch Platz nehmen und bekomme sogleich ein Wasser angeboten. Die Vögel zwitschern, die Sonne strahlt nun mit voller Kraft, und es ist einfach eine sehr gemütliche und entspannte Atmosphäre. Das Ehepaar Heidi und Andreas Jürgensen besitzt das aktuelle Wohnmobil seit drei Jahren, sie sind aber schon seit 1998 mit dem Reisemobil unterwegs. Davor haben sie 27 Jahre „Festcamping“ am immer gleichen Ort gemacht. Sie sind dann erst auf ein großes Mobil umgestiegen, haben sich jetzt im Alter allerdings dazu entschieden, wieder auf ein kleineres Modell umzusteigen. Sie kommen aus der Nähe von Schleswig. Auch sie lieben die Freiheit und dass sie nichts buchen müssen. „Wir fahren einfach wann wir wollen und sehen dann mal, wohin es geht. Wir machen einen Zwischenstopp, wenn es uns wo gefällt. Wenn wir müde werden halten wir an, schlafen etwas, und dann geht es weiter. Man kann sich einfach einteilen, wie weit man an dem Tag fahren möchte.“

Buntes Leben in der Stadt

Besuchen Göttingen seit 40 Jahren: Heidi und Andreas Jürgensen. Foto: Sarah

Die Eheleute Jürgensen besuchen Göttingen bereits seit 40 Jahren. Früher haben sie dabei in Hotels gewohnt, mittlerweile campen sie. Der Vetter wohnt in Göttingen, wie sie mir berichten, und so kommt man immer wieder in diese wunderschöne Stadt. Heidi Jürgensen meint: „Göttingen ist immer schön und der Platz hier ist auch. Man sollte allerdings schon mittags zeitig ankommen, ansonsten sind die Plätze oftmals schon weitgehend belegt.“ Das Paar liebt das bunte Leben hier in der Stadt, die Studenten, die Abwechslung zur Provinz. Für sie ist Göttingen immer ein kleiner Urlaub. Das kann ich nur allzu gut verstehen. „Solange wir das Wohnmobil haben“, sagen sie unisono, „kommen wir jedes Jahr wieder hierher.“ Mit dem Wohnmobilhafen sind sie sehr zufrieden. Es gibt Toiletten, es ist sauber, ruhig und stadtnah.

Gäste aus Deutschland und Europa

Camper aus ganz Europa besuchen den Wohnmobilhafen. Foto: Sarah

Die Sommerferien sind gerade zu Ende gegangen und dennoch sind 13 der 28 Plätze bereits am frühen Vormittag besetzt. Die Kennzeichen zeigen, dass die Reisemobilisten teilweise von weither kommen. Mehrere Italiener sind auf dem Platz, aber auch Mobile mit französischem, britischem oder skandinavischem Nummernschild finden sich. Die meisten Camper kommen jedoch aus Deutschland, aber auch hier landesweit aus jeder Ecke. Mir fällt auf, dass mehrere aus Kassel kommen. Ich bin verwirrt, als ich sogar ein Göttinger Kennzeichen entdecke und gehe mal hin. Das Paar sitzt vor seinem Kleinbus im Schatten. Ich bin neugierig und frage, warum Göttinger in Göttingen Urlaub mit dem Reisemobil machen. Sie kommen aus Holzminden, haben aber Göttinger Kennzeichen und einen Termin in der Stadt. Deshalb sind sie mit ihrem kleinen Bus angereist. Die ideale Möglichkeit vor dem Termin nochmal etwas zur Ruhe zu kommen und anschließend eine Nacht in Göttingen zu verbringen. Ich entdecke auch einige Hundebesitzer unter den Reisenden. Ein Mann kommt mir mit zwei kleinen Hunden entgegen. Die Gegend ist ideal, um eine schöne Runde Gassi zu gehen. Dass Hunde erlaubt sind, kommt bei den Besuchern sehr gut an und spricht wiederum für den Platz.

Fahrradfahren ist bei Campern beliebt

Maßarbeit: Gunhild Donné gibt ihrem Mann die Einweiserin. Foto: Sarah

Während ich weiter schlendere, fällt mir die große Vielfalt an Reisemobil-Modellen auf. Von kleinen Reisebussen bis hin zu den großen Luxus-Linern ist nahezu alles dabei. Auch selbstgebaute Reisemobile gibt es. Als ich einen Bogen schlage und in den hinteren Teil des Platzes gehe, entdecke ich auch viele Mobile, bei denen Fahrräder dabeistehen. Fahrradfahren ist bei Campern sehr beliebt. Schnell sind die Räder hinten drauf verstaut. Vor Ort kommt man flexibel voran und man kann ganz gemütlich die Gegend erkunden. Göttingen ist auch wegen seines Fahrradschnellweges bekannt und generell wird hier das Rad sehr viel genutzt. Ich komme mit einem Herrn ins Gespräch, der gerade dabei ist, seine Fahrräder abzuladen. Er ist mit seiner Frau hier, um Rad zu fahren, zu shoppen, sich die Stadt anzuschauen und mit seinen Enkelkindern schwimmen zu gehen. Ich entdecke eine grüne Wiesenfläche rechts neben den Mobilen. Darauf befinden sich zwei Tische mit Sitzgruppen für jeweils vier Personen, die für die Reisenden eine hervorragende Möglichkeit bieten, im Grünen zu sitzen und gemeinsam zu essen, ohne erst das gesamte Equipment auspacken zu müssen. Gerade bei Aufenthalten für nur eine Nacht wird dieses Angebot gerne angenommen. Es hat auch ein bisschen was von Picknick-Flair.

Von Göttingen aus die Ferienstraßen entdecken

Auf Achse: Beliebter Ausgangspunkt für Ferienstraßen-Touren. Foto: Sarah

Der Reisemobilhafen gewinnt stetig an Beliebtheit. In der Hochsaison von April bis August stehen mittlerweile bis zu 900 Wohnmobile hier, in der Nebensaison bis zu 230. Ich bin wirklich beeindruckt und werde den Wohnmobilhafen auch meinen Freunden weiterempfehlen, die mal mit dem Reisemobil zu Besuch nach Göttingen kommen. Und als weiteren Tipp von mir für alle, die gerne mobil reisen und sich dafür interessieren auch mal einen Stopp in Göttingen und Umgebung einzulegen: Göttingen befindet sich in der Nähe einiger Ferienstraßen, darunter die „Deutsche Alleenstraße“, die „Deutsche Fachwerkstraße“, die „Deutsche Ferienstraße Alpen-Ostsee“, die „Deutsche Märchenstraße“, die „Harz-Heide-Straße“ und die „Straße der Weser-Renaissance“. Gerade mit dem Wohnmobil macht es großen Spaß, diese Ferienstraßen zu entdecken.

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